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Nach 25 Jahren medienbedingter Abwesenheit meldet sich Ursula Koch, eine prägende und umstrittene persönlichkeit der Zürcher politik, zurück. In dem buch reflektiert sie über ihr politisches Wirken und die persönlichen Verletzungen, die sie erfahren hat. Das Porträt beleuchtet ihr Engagement für eine menschlichere Stadtplanung und wirft einen neuen Blick auf ihre Karriere.

Ursula Koch, ehemalige Stadträtin von Zürich und erste Frau an der Spitze der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz, tritt aus ihrem Rückzug hervor, um sich in einem kürzlich erschienenen Buch zu äußern. Das Werk mit dem Titel Zürich lebenswert umbauen, verfasst von Regula Iseli, zeichnet die zwölf Jahre (1986–1998) nach, in denen Koch das Tiefbauamt Zürich leitete.
Mit 84 Jahren blickt Koch auf Jahre zurück, die von politischen Spannungen, Machtkämpfen und tiefgreifenden städtischen Veränderungen geprägt waren. Sie spricht nicht nur über die Widerstände, denen sie begegnete, sondern auch über ihre Vision einer Stadt, die auf Lebensqualität statt auf bloße Verdichtung ausgerichtet ist.
1986 in den Zürcher Stadtrat gewählt, kommt Ursula Koch mit klaren Ambitionen: Sie will die Wohnungs-, Verkehrs und Luftqualitätspolitik überdenken, um das Wohl der Einwohner zu verbessern. Schon zu Beginn stößt sie auf einen Stadtrat, der überwiegend von Männern und konservativen Wirtschaftsinteressen dominiert wird. Sie berichtet, von einigen Kollegen „gedemütigt und beleidigt“ worden zu sein, ohne dass jemand intervenierte, nicht einmal der Bürgermeister.
Sie positioniert sich als linke Aktivistin und betont, dass sie sich im Stadtrat nie wirklich integriert gefühlt habe. Einige ihrer Kollegen hätten, so sagt sie, aktiv zu diesem Unbehagen beigetragen. Dennoch sucht sie keinen Rachefeldzug: In ihrem Buch vermeidet sie es, ihre Gegner namentlich zu nennen.
Bei einer Rede 1988 vor der Schweizerischen Ingenieur und Architektenvereinigung (SIA) prägte Koch diesen berühmten Satz: Die Stadt Zürich ist gebaut!. Diese Formulierung wurde von ihren Gegnern, insbesondere im Bausektor, häufig als Wunsch interpretiert, jeglichen Neubau zu bremsen.
Für Koch hatte die Aussage jedoch eine ganz andere Bedeutung: Sie rief zu Sanierungen statt zu Neubauten auf und setzte sich für eine maßvolle, umweltverträgliche Stadtentwicklung ein. Sie wirft ihren Gegnern vor, ihre Anliegen nicht verstehen zu wollen oder sie bewusst falsch darzustellen.
Die Autorin Regula Iseli beklagte bei der Buchvorstellung, dass Kochs Werk damals missverstanden worden sei und die Kritik oft übertrieben war. Sie merkt zudem an, dass die Bauwelt, damals stark männlich geprägt, vielleicht nicht akzeptieren konnte, dass eine Frau ihre Ideen mit solcher Entschlossenheit vertreten hat.
Für Koch muss Lebensqualität ein öffentliches Interesse sein. Ihr Ziel: gemischte Stadtviertel, die Wohnen, Arbeit und Grünflächen vereinen im Gegensatz zu monotonen Betonblöcken. Diese Prinzipien, die sie in den 1980er und 1990er Jahren energisch vertrat, stehen heute im Zentrum der Stadtplanungspolitik Zürichs.
Kurz gesagt: Regula Iselis Buch gibt Ursula Koch, einer Pionierin der Zürcher Stadtentwicklung, wieder eine Stimme. Durch ihr Zeugnis zeigt es, wie ihre Vision, die Stadt als Raum zur Sanierung und nicht zum Wiederaufbau zu denken, das heutige Zürich tief geprägt hat.