Die Schweizer Spitäler in Gefahr: Warum das System dringend reformiert werden muss

Die jüngste Untersuchung von H+ Die Spitäler der Schweiz, veröffentlicht Ende November 2025, schlägt Alarm. Ohne strukturelle Reformen steuert das Land auf Engpässe im Spitalnetz, eine sinkende Qualität der Pflege sowie auf Verluste von über einer Milliarde Franken zu. Diese Probleme stellen weiterhin eine zentrale Herausforderung für die Schweizer Bevölkerung dar.

In einer Zeit von Personalmangel, steigenden Kosten in allen Bereichen und zu tief angesetzten Tarifen fordert die Organisation eine tiefgreifende Reform. Mehr ambulante Versorgung, mehr Digitalisierung und mehr Spital-Kooperationen werden als Prioritäten genannt. Es lohnt sich, die Details dieser Krise genauer zu betrachten – von ihren Ursachen über die Folgen bis hin zu den möglichen Lösungen –, um den Niedergang eines zentralen Pfeilers des Schweizer Gesundheitssystems zu verhindern.

Ein unter starkem Druck stehendes Schweizer Spitalsystem

Das Schweizer Spitalsystem befindet sich in einer schweren Krise. Im Jahr 2024 lag der kumulierte Verlust bei 347 Millionen Franken (nach 777 Millionen Verlust im Jahr 2023). Zwar steigen die Spitalseinnahmen um rund 3,6 Prozent, doch gleichzeitig wachsen die Ausgaben stetig – insbesondere Löhne, Materialkosten, Energie sowie Betriebskosten – und belasten die Einrichtungen zunehmend. Die für die langfristige Tragfähigkeit notwendigen Margen werden nicht erreicht. Im Gegenteil: Eine Mehrheit der Spitäler liegt unter einer als ausreichend erachteten Marge, die für Investitionen, Modernisierung und Aufrechterhaltung des Leistungsangebots nötig wäre. Das System zeigt deutliche Anzeichen struktureller Unausgewogenheit.

Das traditionelle Spitalmodell, das stark auf stationäre Behandlung und umfangreiche Strukturen setzt, kann den wachsenden Anforderungen kaum noch gerecht werden. Grund dafür sind einerseits die alternde Bevölkerung und andererseits der Mangel an ausreichend qualifiziertem Pflege- und Fachpersonal, das notwendig wäre, um eine bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen.

Grosse Risiken für den Zugang zur Versorgung und die Qualität der Leistungen

Angesichts dieser Schwierigkeiten verdoppeln sich die Risiken. Einige Einrichtungen könnten bald nicht mehr in der Lage sein. Ordnungsgemäss zu funktionieren, was zur Schliessung von Betten oder ganzen Abteilungen führen könnte. In manchen Spitälern ist die finanzielle Lage so angespannt, dass notwendige Investitionen nicht mehr möglich sind. Für die Bevölkerung bedeutet dies eine ernsthafte Bedrohung ihres Zugangs zur Gesundheitsversorgung. Längere Wartezeiten, geringere Verfügbarkeit, erschwerter Zugang zu spezialisierten Behandlungen und ein zunehmend heterogenes Angebot je nach Region.

Gleichzeitig verschärft sich das Problem durch Tarife, die die tatsächlichen Behandlungskosten. Insbesondere im ambulanten Bereich – nicht mehr abbilden. Im ambulanten Sektor liegen die Tarife rund 25 Prozent unter den realen Kosten, gerade in einem Bereich, der häufig als effizienter und kostengünstiger gilt.

Der Mangel an qualifiziertem Personal – Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen und weitere Gesundheitsberufe – verschärft die Situation zusätzlich. In einem Kontext, in dem die Arbeitsbedingungen teilweise als unzumutbar gelten, gefährdet dieser Personalmangel die Pflegequalität, die Kontinuität der Versorgung und die Fähigkeit. Auf die wachsende und sich wandelnde Nachfrage zu reagieren (ältere Menschen, chronische Krankheiten, Notfälle usw.).

Eine dringende Reform des Spitalmodells: Ansätze und Hoffnung auf Veränderung

Um den Niedergang des Systems aufzuhalten, zeigt die im Auftrag der Spitalorganisation durchgeführte Studie mehrere zentrale Handlungspunkte auf. Der erste ist der deutliche Ausbau der ambulanten Versorgung. Das bedeutet, dass möglichst viele Patientinnen und Patienten ohne stationären Aufenthalt behandelt werden und, wenn möglich, noch am selben Tag nach Hause zurückkehren können.

Diese Art der Versorgung ist weniger kostenintensiv, entlastet die Spitäler und entspricht besser den heutigen Bedürfnissen. Der zweite Schwerpunkt liegt auf der Modernisierung und Digitalisierung der Spitalprozesse. Von der Aufnahme über die Verwaltung der Patientendossiers bis zur Steuerung der Patientenströme.

Dies ist entscheidend, um die Effizienz zu steigern, administrative Kosten zu reduzieren und das Personal zu entlasten. Der dritte Schwerpunkt betrifft die Weiterentwicklung der Spitalorganisation. Weg von kantonal isolierten Strukturen hin zu koordinierten Spitalnetzwerken. Dies umfasst die gemeinsame Nutzung von Ressourcen, die Spezialisierung von Einrichtungen je nach Kompetenz sowie ein effizientes Versorgungsnetz auf nationaler Ebene.

Dafür müssen kantonale Grenzen überwunden und die Gesundheitsversorgung gesamthaft gedacht werden. Schliesslich ist eine Reform der Finanzierung unverzichtbar. Die aktuellen Tarife – insbesondere im ambulanten Bereich – müssen den tatsächlichen Kosten angepasst werden. Um die langfristige Tragfähigkeit der Einrichtungen und die Qualität der Versorgung sicherzustellen.

Die Situation ist dramatisch und die Bedrohung real. Doch Lösungen existieren, vorausgesetzt, Bund, Kantone, Spitäler und Versicherer setzen gemeinsam umfassende Reformen um. Wenn diese Veränderungen tatsächlich erfolgen, könnte das Spitalsystem nicht nur stabilisiert, sondern sogar widerstandsfähiger, effizienter und besser auf die Zukunft vorbereitet werden.

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