Die schweizer wirtschaft bricht im dritten quartal stärker ein als erwartet

Die kontraktion der schweizer wirtschaft fällt stärker aus als erwartet. Das seco meldet für das dritte quartal einen rückgang des BIP von 0,5 %. Diese schlechtere als von analysten prognostizierte zahl lässt sich hauptsächlich mit dem einbruch der exporte erklären, die unter der internationalen konjunktur und den US-Zöllen leiden.

Wirtschaftliche Verlangsamung in der Schweiz: Die Schlüsselkennzahlen des 3. Quartals (BIP)

 

Die Schweizer Wirtschaft ist im dritten Quartal 2025 spürbar unter den Folgen der im August eingeführten US-Zölle von 39 % und der globalen Konjunkturabschwächung eingebrochen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) meldet in einer ersten Schätzung einen Rückgang der Wirtschaftsleistung.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte saisonbereinigt um 0,5 % gegenüber dem Vorquartal. Diese negative Entwicklung übertrifft die Erwartungen von Wirtschaftsexperten, die lediglich mit einer Bandbreite von -0,3 % bis +0,2 % gerechnet hatten.

Besonders betroffen ist die Industrie, die unter einem deutlichen Wertschöpfungsrückgang im chemisch-pharmazeutischen Sektor leidet. Aber auch im Dienstleistungssektor blieb das Wachstum unterdurchschnittlich. Die aktuellen Daten zeigen ein deutlicheres Abkühlen der Konjunktur als bisher angenommen.

Welche Branchen sind am stärksten betroffen?

Die Auswirkungen zeigen sich deutlich an den schweizerischen Exporten, die im dritten Quartal um 3,9 % eingebrochen sind. Dieser Rückgang ist direkt auf die nachlassende Nachfrage in den drei wichtigsten Absatzmärkten zurückzuführen. In den USA führten die 39 %igen Zölle zu einem besonders starken Einbruch der Exporte um 8,2 %.

China, eine weitere Stütze des Wachstums, reduzierte seine Käufe massiv: Die Exporte dorthin brachen um 16,8 % ein, was zu einem gesamten Rückgang nach Asien von 3,3 % führte. Selbst die Europäische Union, der wichtigste Handelspartner, verzeichnete einen Rückgang der Schweizer Exporte um 5,9 %.

Drei emblematiche Branchen der Schweizer Wirtschaft sind besonders betroffen:

Die Chemie- und Pharmaindustrie verzeichnet den stärksten Rückgang (-7,2 %), hauptsächlich getrieben durch Diagnostikprodukte und Vitamine.

Die Uhrenindustrie, die von den US-Zöllen schwer getroffen wurde, verzeichnete einen Rückgang um 3,7 %.

Der Maschinen- und Elektroniksektor, eine historische Stütze, verzeichnete einen leichten, aber realen Rückgang um 0,5 %.

Angesichts dieser Entwicklung hat das Seco seine Exportprognosen für 2025 deutlich auf nun 2,2 % Wachstum gesenkt. Die konjunkturelle Lage zeigt deutlich, wie sehr die Schweizer Wirtschaft unter den Handelskonflikten leidet.

Erleichterung für Exportsektoren

Für Schweizer Exporteure zeichnet sich zum Jahresende eine hoffnungsvolle Entwicklung ab: Das neue US-Abkommen, vorgestellt von Minister Guy Parmelin, sieht vor, dass die Strafzölle von 39 % durch eine Steuer von 15 % ersetzt werden. Obwohl diese Maßnahme über dem Durchschnittssatz von 0,6 % Ende 2024 liegt, spricht Experte John Plassard von einer “enormen Erleichterung” für die Uhrenindustrie, deren Exporte in die USA um über 50 % eingebrochen waren und die so drastische Sozialpläne vermeiden kann.

Auch andere Exportindustrien wie der Maschinenbau und die Feinchemie profitieren von dieser Entlastung. Das Abkommen wird durch umfangreiche Investitionszusagen Schweizer und Liechtensteiner Unternehmen untermauert, die bis 2028 Investitionen von 200 Milliarden US-Dollar in den USA planen.

Trotz dieser positiven Entwicklung bestehen weiterhin Herausforderungen. Die Kombination aus starkem Franken und höheren Zöllen als vor der Krise beeinträchtigt weiterhin die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz. Das Seco bleibt vorsichtig und prognostiziert für das nächste Jahr ein nur schwaches BIP-Wachstum von 0,9 % – ein Zeichen dafür, dass die Schweizer Wirtschaft weiterhin unter geopolitischen Spannungen leidet.

Die Schweizer Wirtschaft bleibt trotz des kürzlich geschlossenen US-Abkommens unter Druck. Der BIP-Rückgang und die revidierten Prognosen von 0,9 % für das nächste Jahr deuten auf einen fragilen Aufschwung hin. Der Weg zu einer nachhaltigen Erholung bleibt schmal, geprägt von starkem Franken und geopolitischen Unsicherheiten.

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