Die Schweizer Wirtschaft schrumpfte im dritten Quartal.

 

Die Schweizer Wirtschaft befindet sich derzeit in einer turbulenten Phase, die hauptsächlich durch die Erhöhung der US Zolltarife und eine Verlangsamung der globalen Konjunktur beeinträchtigt wird. Im dritten Quartal verzeichnete sie einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 %, was einen deutlichen Dämpfer für den reflexiven Schwung der Wirtschaftsdynamik bedeutete. Zudem sind die chemisch-pharmazeutische Industrie sowie die Uhrenbranche durch die von Washington verhängten Sonderzölle stark betroffen. Die Schweiz bemüht sich, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch den Abschluss eines neuen Handelsabkommens zu erhalten und diese Spannungen teilweise zu verringern. In diesem schwankenden Umfeld bleiben die Wachstumserwartungen für 2025 sehr verhalten, was die Frage nach der Widerstandsfähigkeit der exportorientierten Schweizer Wirtschaft im Konfliktgeflecht des internationalen Handels aufwirft.

Die Schweizer Wirtschaft befindet sich angesichts der Handelsspannungen im Abschwung.

So ist festzustellen, dass die Schweizer Wirtschaft im dritten Quartel spürbar unter den Folgen des Schocks litt, der durch die Einführung US amerikanischer Zölle von 39 % im August und die allgemeine Verlangsamung der Weltkonjunktur auf das gesamte Bruttoinlandsprodukt ausgelöst wurde.

Das BIP ging im dritten Quartel vorläufig um 0,5 % zurück. Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), das an diesem Montag seine erste umfassende Einschätzung zum Quartal vorlegte, deutet die Lage – noch kein spürbarer Wohlstandsaufbau, noch kein Wachstum  auf eine äußerst verhaltene Dynamik hin. Demnach verzeichnete das BIP im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorquartal eine bereinigte Zunahme von 0,1 %, wobei die Auswirkungen großer Sportereignisse nicht berücksichtigt sind, sowie ein Plus von 0,7 % zwischen Januar und März 2025.

Gemäß den Prognosen von rund fünfzehn (meist Schweizer) Wirtschaftsexperten, die diese Sondereffekte herausrechnen und deren Schätzungen der Nachrichtenagentur AWP vorliegen, ist für das BIP insgesamt ein Anstieg in einer Bandbreite von -0,3 % bis maximal +0,2 % zu erwarten; für die letzten beiden Monate wird der Höchstwert des Rückgangs auf diesem Niveau gesehen.

„Die Industrie insgesamt kehrte sich nach unten, was auf einen starken Rückgang der Wertschöpfung im chemisch-pharmazeutischen Sektor zurückzuführen ist“, hielten die Bundes-Ökonomen in dem Dokument fest. Das Wachstum im Dienstleistungssektor blieb unterdurchschnittlich.

Im Oktober hatte das Seco für 2025 noch ein BIP-Wachstum von 1,3 % prognostiziert, nach zuvor 1,2 %.

Exportsektoren entlastet

Der Wirtschaftsminister Guy Parmelin gab letzte Freitag das Handelsabkommen mit den USA bekannt, das unter anderem vorsieht, dass in die USA eingeführte Schweizer Waren mit 15 % besteuert werden sollen. Wir sollten uns jedoch nicht täuschen: Die amerikanischen Zölle sinken nicht von 39 % auf 15 %, sondern von 0,6 % (Durchschnitt der Importe für Dezember 2024) auf 15 % ein Nuanceunterschied, der von den exportierenden Schweizer Unternehmen sicherlich gewürdigt werden wird, betonte John Plassard von Cité Gestion in einem Kommentar.

In diesem neuen Rahmen verpflichtet sich die Schweiz, Wertschöpfung auf der anderen Seite des Atlantiks zu generieren. „Im Gegenzug für diese Geste haben sich Schweizer und Liechtensteiner Konzerne verpflichtet, bis 2028 200 Milliarden Dollar in den USA zu investieren, davon 67 Milliarden bereits bis 2026, wie etwa in der Industrie, in F&E oder in die Berufsbildung“, präzisierte er. Diese Vorkehrung garantiert jedoch im Falle Berns nicht, dass seine Unternehmen diese Liquidität auch tatsächlich jenseits des Ozeans werthaltig einsetzen werden.

John Plassard ergänzt seine Überlegungen mit der Aussage: Für die Uhrenindustrie, die seit August durch einen Zuschlag von 39 % nahezu erstickt wurde und einen Einbruch der Exporte in die USA von 50 % verzeichnete (im September), ist dies eine echte Erleichterung, die neue Sozialpläne und Werksverlagerungen verhindert. Dennoch bleibe das Land mit der Sternenbanner Flagge seit Beginn des Jahres das wichtigste Ziel für Schweizer Uhren, mit einem Volumen von 3,5 Milliarden Franken.

Auch die anderen Exportsektoren  Maschinen, Elektroausrüstung, Feinchemie  gewinnen wieder an Spielraum, auch wenn die Kombination aus ‚starkem Franken  Zöllen, die nach wie vor höher sind als vor April, weiterhin wie ein Damoklesschwert über ihrer Wettbewerbsfähigkeit hängt, betonte der Experte.

Für das kommende Jahr wird das Seco laut seinen Oktober Prognosen lediglich eine Schätzung des BIP Wachstums von 0,9 % erreichen.

Die Schweiz steht am Scheideweg: Angesichts der US Zölle und der globalen Konjunkturabschwächung zeigt ihre exportorientierte Wirtschaft Anzeichen von Schwäche. Trotz des neuen Abkommens bleibt der mittelfristige Ausblick ungewiss  was die Bedeutung einer widerstandsfähigen Strategie zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit unterstreicht.

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